(von Heinz Münchow) Es geschah Ende der zwanziger/Anfang der dreißiger Jahre des vorigen Jahrhunderts. Ich war etwa vier oder fünf Jahre alt. Meine Eltern wollten – ohne Kind – verreisen und brachten mich zu meiner Großmutter. Oma wohnte in einem Häuschen mit Garten und ich hatte in Hof und Garten Platz zum Spielen. Oma hatte sechs Kinder großgezogen und traute sich selbstverständlich...
Der Bahndamm (Jugendstreiche)
Mein täglicher Schulweg führte etwa drei Kilometer an einem recht hohen Bahndamm der Strecke Hamburg-Cuxhaven entlang. Das im Sommer dürre, lange Gras fing gelegentlich Feuer durch Funkenflug oder aber es wurde von uns Jungen mutwillig angezündet. Das Püstern auf den großen Dammflächen, bei taktischer Beachtung der Windrichtung, brachte einfach Spaß, ohne dass ich mich für einen Pyromanen halten...
DDR – Begegnungen
(von Heinz Münchow) Geld–Kontrolle Zweimal im Jahr fuhren meine Frau und ich nach West-Berlin, um unseren alten Onkel zu besuchen. Wir fuhren mit dem Auto auf der Bundesstraße über Lauenburg zum ersten Kontrollpunkt auf dem Gebiet der DDR. Da wir wussten, dass dort nicht nur die Ausweiskontrolle stattfand, sondern das mitgeführte Bargeld kontrolliert wurde, musste der Beifahrer die Zeit zum...
Das weiße Tuch an der Fahnenstange
(von Bernd Schwiers) Es soll am 6. Mai 1945 gewesen sein. Ich lebte damals mit meiner Mutter bei der Bahnwärterfamilie Schwab in Buchen, d.h. eigentlich wohnten wir außerhalb des Ortes, dort wo die Landstraße nach Eberstadt die Bahnstrecke Buchen-Seckach kreuzt. Diese „Landstraße” war damals eine Schotterstraße. Das Bahnwärterhaus war aus rotem Sandstein gebaut, eingeschossig, mit zwei...
Dagobert
Als im Jahre 1951 das erste Micky-Maus-Heft in Deutsch heraus-kam, kaufte ich mir fortan die neuen Ausgaben und sammelte sie in einem Schrank, der auf unserem Korridor stand. Dort hatte ich zwei Fächer für mich, die anderen Fächer belegten meine Schwestern mit allerlei Dingen, die mich nicht interessierten. Damals begann wohl meine Sammlerleidenschaft, die ich bis heute noch nicht gänz-lich...
Schlesien
Wie mein Vater und mein Onkel mich zum Mann erziehen wollten (von Dieter Fleischmann) Unser Ehemaliger-Autor Dieter Fleischmann ist im Jahre 1937 in Berlin geboren. Der Vater, Jahrgang 1908 wurde im Zweiten Weltkrieg schwerverletzt und verbrachte mehrere Monate mit seiner Familie bei Verwandten in Schlesien eine Restitutionszeit. Im Frühjahr 1945 begann für Schlesien der Exodus. Vater...
Barackenleben
Nachdem wir in Hannover zweimal ausgebombt waren, lebten wir mit fünf Personen bei meinen Großeltern in einem 20 qm großen Raum. Anfang 1945 hatten wir das große Glück und bekamen eine Wohnung in einer Baracke, die am Ende des Ortes für Ausgebombte gebaut war. Nun hatten wir eine richtige Wohnung, eine große Wohnküche, ein Schlafzimmer, ein Kinderzimmer und ein kleines WC in der Wohnung. Für mich...
200 Eier in Wasserglas (von Heinz Münchow)
Ehemalige Ich komme sofort auf die Überschrift zu sprechen: Es soll wirklich „in“ Wasserglas” heißen. Näheres dazu später. Nach wieder einmal überstandener Gelbsucht und nach einem Genesungsurlaub hieß es: Beim Ersatztruppenteil in Leipzig melden. Dort las mir ein Hauptmann meine Personalien vor. „Stimmt das alles, Soldat M.?“ – „Jawoll, Herr Hauptmann.” – „Gut, dann warten Sie auf...
Wiedersehen
Ich gehe die Bahnhofstraße hinunter. Rechts sehe ich die einzige Brauerei des Ortes, d.h. früher war es eine Brauerei. Jetzt gibt es hier Wohnungen und Büros. Die Außenwände hat man nicht verändert. Ich blicke in den Hof und sehe, da wo früher die Brauereifahrzeuge standen, viele Fahrräder. Offenbar ist man sportlich und schont die Umwelt. Die Straße, die rechtwinklig von der Bahnhofstraße...
Was morgen geschah
Das war der Titel eines amerikanischen Filmes, den wir in Berlin den ersten Nachkriegsmonaten zu sehen bekamen. Es war ein fantastischer Film, den ich mir mindestens drei Mal angesehen habe. Ein Reporter einer kleinen Zeitung kam nie an die wirklich guten Themen ran. Darüber sprach er mit einem seltsamen Alten, der ihm wie eine gütige Fee die Gabe schenkte, in die Zukunft zu sehen. Von da an...
