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Bücherwurm – Zeitzeugen Quickborn

Bücherwurm

B

Bücher waren schon immer meine Leidenschaft. Ich fand es wunderbar, dass auf Papier Gedrucktes mich in eine Welt eintauchen ließ, die für mich neu und unbekannt war. Ich erlebte Abenteuer, und zwar so, als wäre ich dabei gewesen. Ich besuchte fremde  Welten. Fremde Sterne und Galaxien erreichte ich gedankenschnell. Den Zauber der Märchenwelt übertrug ich in die Gegenwart. Hans Dominik begeisterte mich mit seinem Atomgewicht 500, seinem Wettkampf der Nationen, seinem Vom Zeitungsjungen zum Millionär. Es waren vorwiegend einfache Menschen, die es zu etwas brachten. Man musste nicht reich geboren sein, um sich als Erfinder einen Namen zu machen. Das machte mir Mut. Ich erinnere mich an meine Großmutter. Sie las mir Märchen vor. Ich konnte davon nicht genug kriegen. Und ich wünschte mir nichts mehr, als dass ich bald selbst würde lesen können. Ich lernte es in den Kriegsjahren. Unsere Bücher gingen in den Wirren des Weltkriegs verloren. Es dauerte eine Weile, bis sie zögerlich wieder auftauchten. Es waren meist alte und schon fast zerlesene, die man sich in der Pfarrbücherei ausleihen konnte. Und das taten wir auch. Wir lasen alles, was uns in die Finger kam. Mit Lesen, Fußball, und Kinobesuchen gestalteten wir unsere Freizeit. Eigene Bücher wurden untereinander ausgeliehen. Onkel Heinz schenkte mir den Schatz im Silbersee von Karl May und Abenteurer des Schienenstrangs von Jack London. Ich las auch das Totenschiff von Traven. Die darin beschriebenen Ungerechtigkeiten machten mich wütend. Ich wollte die Welt kennenlernen und fuhr mit dem Fahrrad rund um den Globus. Von Hausmann las ich Abel mit der Mundharmonika, eine zarte Liebesgeschichte auf einem im Wattenmeer trocken gefallenes Segelboot. Auch die Seite des Lebens lernte ich so kennen. Einer der Schwerpunkte in der Schule war das Fach Mathematik. Die Aufgaben löste ich mit Begeisterung. Ich lernte Archimedes und Pythagoras kennen. Was man mit a Quadrat plus b Quadrat = c Quadrat  alles machen konnte, beindruckte mich sehr. Und Archimedes wollte nur einen Punkt im Weltall haben, um die Welt aus den Angeln zu heben. Das alles stand in den Büchern, die mir in die Hände fielen. Bei Goethe und Schiller übte ich Zurückhaltung. Ich lernte ihre Gedichte auswendig. Und das nicht freiwillig. Es wundert daher nicht, dass ich mich ihren Werken nur sehr vorsichtig näherte. Die amerikanischen Schriftsteller hatten bei mir Hochkonjunktur. John Steinbeck mit der Straße der Ölsardinen und mit seinem wonnigen Donnerstag las ich mehrfach. Und dann gab es noch Hemingway. Mit der alte Mann und das Meer startete ich in seine Literaturwelt. Sein Schreibstil überzeugte mich, er war kurz und sagte alles. Er schrieb alles mit der Hand an einem Stehpult. Es mussten mindestens 10 Seiten pro Tag sein. Als Schriftsteller musste man schon fleißig sein. Doch wie wird man Schriftsteller? Es sind die Gedanken, die man auf Papier gedruckt sehen will. Ich habe einiges geschrieben, einiges ist auch gedruckt erschienen. Ich fühle mich aber nicht als Schriftsteller. Ich schreibe gerne, und dabei will ich es auch belassen. In den vielen Jahren, die ich lesend verbracht habe, ist meine Bibliothek angewachsen. Nach einer vorsichtigen Schätzung dürften es mittlerweile an die 1000 Bücher sein. Ich schlafe in einem Raum mit vielen Büchern. Vor dem Einschlafen sehe ich die vielen Buchrücken und wenn ich wach werde, hat sich daran nichts geändert. Ich lese immer noch viel, besonders nachts. Ich träume mich dann in die Welt des Gelesenen, und zwar so lange, bis sich der Traum verselbständigt. Manchmal wache ich mit dem Gedanken an das Gelesene auch auf. Die Bücher, die ich habe, habe ich auch fast alle gelesen. Ganz selten passiert es, dass ich ein Buch nicht zu Ende lese. Ich erwarte eigentlich immer, dass langweiligen Seiten kurzweilige folgen. Ein Bücherwurm genießt nicht nur. Er muss sich auch durch die Seiten kämpfen. Wenn er dann auf der anderen Seite des Buchdeckels raus kommt, ist er vergnügt, es wieder einmal geschafft zu haben. Wir Bücherwürmer haben es eben nicht immer leicht.

Über den Autor

Uwe Neveling

Jahrgang 1937
Systemanalytiker

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