Transport-Probleme

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(von Heinz Münchow)

1946 – ein Jahr nach Kriegsende – war ich bei Verwandten im Kreis Lüneburg „untergekommen”. Auf dem Lande gab es noch keinen „öffent-lichen Personen-Nahverkehr“, und Privatautos waren eine Seltenheit. Aber man konnte die Eisenbahn benutzen, wenn ein Bahnhof in der Nähe war. Der nächstgelegene Bahnhof war „Göhrde”, aber immerhin etwa 15 km entfernt! 15 km zu Fuß bei jedem Wetter? Und Gepäck auch dabei? Cousine Grete wusste Rat! Sie hatte nämlich über die Kriegswirren ihr Fahrrad retten können.

„Wann kommt dein Zug am Sonnabend in Göhrde an?” – „Er soll um 15 Uhr ankommen.” – „Ist gut, ich hol’ dich ab!”

Ich steige am Sonnabend in Göhrde aus. Ja, Grete ist da! Und sie hat ihr Fahrrad dabei. Mein kleiner Pappkoffer hat auf dem Gepäckträger Platz. „Hier, fahr’ los mit dem Rad!” –„Und du?” –„Fahre etwa 100 Meter, lehne das Rad an einen Baum und gehe dann zu Fuß weiter. Ich bin inzwischen auch gegangen. Ich setze mich dann aufs Rad und fahre hinter dir her, überhole dich und lasse nach 100 Metern das Fahrrad wieder stehen, damit du auch wieder fahren kannst!”

Auf diese Weise haben Grete und ich noch oft die 15 km geschafft. Es war auf jeden Fall nie langweilig.

 

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