PRÜDES AMERIKA ?

P

(von Heinz Münchow)

Meine Schwägerin Anni – sie ist die Schwester meiner Frau –  ist alleinste­hend. Heute würden wir sagen ‘Single’. Sie ist berufstätig. Sucht sie einen Mann? Wir wissen es nicht.

Wir leben in den 1950er Jahren. Wir erholen uns vom Krieg. Wir denken nicht nur an uns selbst, wir sind nicht egoistisch. Wir lesen Zeitung. Wir lesen darin auch die Anzeigen.

„Deutsch-Amerikaner, zzt. auf Besuch in Norddeutschland, sucht Verbin­dung mit deutscher Dame. Bei Sympathie und Umzugseinverständnis Heirat nicht ausgeschlossen.”

Mensch, das wär doch was für Anni!? Aber wir dürfen uns nicht z u  s e h r einmischen! Also: Anzeige ausschneiden und – ohne Kommentar – an Anni schicken!

Ob sie auf die Anzeige geantwortet hat? Sie hat!

Nur kurze Zeit danach lernten wir Fred kennen, unseren zukünftigen Schwa­ger. Und dann auch seinen Bruder mit Familie, der in Deutschland lebte, und seine Mutter.

Der Hochzeitstermin wird festgelegt. Es soll in den USA geheiratet werden. Anni bucht ihren Flug. Sie steigt ein, sie kommt pünktlich an. Fred holt sie ab. “Liebste, morgen heiraten wir! Alles ist vorbereitet – aber Du kannst leider noch nicht in mein Haus kommen!”

„Nanu?” 

„Da wir nicht verheiratet sind, dürfen wir keine Nacht gemeinsam unter einem Dach verbringen!”

Prüdes Amerika – ? Anni musste in einem Hotel übernachten. Am nächsten Tag wurde alles in die zulässigen Bahnen gelenkt.

Anni und Fred sind glücklich geworden.

 

1. Speicherdatum 17.10.2004

 

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