Kriegsende – Lehre – Studium ?

K

(von Heinz Münchow)

1946, nach Rückkehr aus der Gefangenschaft, war die Stimmung nicht nur bei Null, nein, sie war weit im Negativen. Berufswahl, arbeiten, Ausbildung? Erstmal gar nichts machen! Ich konnte bei Verwandten “unterkriechen”. Nicht jeder Heimkehrer hatte das Glück, sich um Verpflegung und Unterkunft keine Gedanken machen zu müssen.

So lebte ich, in den Tag hinein”. Ein paar Handreichungen im verwandtschaftlichen Betrieb wurden von mir erwartet – und auch gern geleistet.

Der Frühling kam – und mit ihm die Unruhe. Kannst du etwas? Oder musst du was lernen? Musst du auch mal ans Geldver-dienen denken?

Was kannst du? Radios reparieren! Na, dann mal los! Zeitungsanzeige gefunden: Perfekter Radiotechniker gesucht. In einem Städtchen in der Lüneburger Heide. Bewerbung: Perfekt ja, aber Zeugnisse infolge von Kriegsereignissen verloren.” Angebot: eine Woche zur Probe arbeiten. Gemacht, getan. Ergebnis: „Wir sind mit Ihnen zufrieden, am nächsten Ersten sind Sie willkommen“.

Ein Jahr lang blieb ich in dem Heidestädtchen. Dann bot sich der Wechsel in eine Firma in einer größeren Stadt an. Auch dort: Radios reparieren.

Ist das genug? Oder schafft man noch ein Studium? Einige Jahre Schulbank? Vorsichtiges Herantasten: Nein, nur mit Abitur können Sie nicht anfangen. Es fehlen Nachweis der Berufsaus-bildung sowie Eisengießerei-Praktikum.” Also: Lehrvertrag mit vorgezogener Gesellenprüfung. Dazwischen im Urlaub die Gießerei. Alles geschafft! Aber dann: 3 Jahre Studium. Das Ziel ist endlich erreicht.

Und bald ist auf dem Bankkonto KEIN MINUS mehr!

 

 

Über den Autor

Ehemalige Autoren

Neueste Beiträge

Kategorien