Kriegsende 1945

K

(von Ingeborg Nygaard)

Wir schreiben April 1945.

Die deutsche Westfront hatte sich bereits über die Weser in Richtung Elbe zurückgezogen und die Gebiete zwischen Weser und Elbe erlebten die Kriegsereignisse hautnah.

Nach der Ausbombung 1943 in Hamburg wohnten wir in Hollenstedt, einem Dorf auf der linken Elbseite an der BAB Hamburg-Bremen. Am 19. April 1945 war es so weit! Morgens gegen 7:00 Uhr hörten wir die ersten Panzer heranrollen. Wir saßen in unserem selbstgebauten Erdbunker zusammen mit den nächsten Nachbarn, hörten das Geschützfeuer und hatten Angst – alle wie wir da waren. Nach einigen Stunden kehrte draußen Ruhe ein. Vorsichtig steckten wir die Köpfe heraus, observierten unsere direkte Umgebung, alles Wald- und Heidegrundstücke. Da bahnte sich auch schon jemand, von hinten kommend, den Weg zu uns. Es war ein Nachbar, der näher am Dorf wohnte, mehr gesehen hatte und uns berichten wollte.

Die Engländer, vermutlich aber waren es Kanadier, hatten das Dorf besetzt, alles gründlich inspiziert und einige gute Häuser beschlagnahmt. Als örtliches Hauptquartier wurde der Hollenstedter Hof, ein ziemlich großer Gasthof mit Nebengebäuden, ausgewählt. (Sinnvoll, gleich neben der jahrhundertealten Kirche.)

Unser Berichterstatter informierte uns ferner über die Zeiten der Ausgangssperre und die Öffnungszeiten der Molkerei und noch vorhandener Läden. Die Bestände sollten in den nächsten Tagen bezugsscheinfrei verkauft werden. Wir gingen nach und nach in unsere Häuser zurück und harrten der Dinge, die da kommen würden.

Die Mund-zu-Mund-Informationen waren lange Zeit die einzige Möglichkeit, Neues zu erfahren.

erstellt am 05.01.2006

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