Die Musiktruhe

D

(von Ingeborg Nygaard)

Nach der Währungsreform 1948 kam das Wirtschaftsleben in Deutschland wieder in Gang. Plötzlich gab es alles zu kaufen – wenn man das nötige Kleingeld hatte – die neue DM (Deutsche Mark). Und die hatten die Bauern.

Lebensmittel waren nach den Hungerjahren sehr gefragt. Aber was waren die Kaufträume der gut betuchten Landwirte? Es kamen die ersten Musik – Truhen auf den Markt. So etwas gab es vor dem Krieg noch nicht. Radio, Plattenspieler, Aufbewahrungsfach für die Schallplatten – alles in einem ansprechenden Möbelstück verpackt. Schnell wurde es in der Bauernschaft zum Renner. Wir wohnten damals in Hollenstedt in der Nordheide und erlebten diese Entwicklung hautnah mit.

Worum ging es denn, wenn man eine Musiktruhe kaufen wollte? Um die Technik? Um die Holzart? Um den Preis? Keineswegs! Da kommt ein gut betuchter Bauer zum örtlichen Elektrohändler:

 „Dach og, Kurt! Wat hesst Du denn för Musiktruhen? Wie grot sünn die denn? Weest Du, Ottens Bur hett een, de is een Meter un tein breet. Hest Du een mit mindst’n een Meter twintig?“

Das war das Wichtigste! Sie musste größer als die von nebenan sein.

Prestige war alles, das war das Kriterium!

erstellt am 31.05.2005

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